Fotografisches Œuvre

Werk

Ein fortlaufendes Werk – von den ersten Farbarbeiten der 1960er-Jahre bis zu den aktuellen seriellen Kompositionen. Mantes Bildsprache verbindet die Gestaltungsgesetze der Bauhaus-Tradition – Punkt, Linie, Fläche, Farbe – mit der Haltung der Straight Photography.

Damit gehört Mantes Werk zu den wenigen Positionen, in denen formale Strenge und farbliche Konsequenz über sechs Jahrzehnte hinweg zusammenfallen. In Deutschland steht es in der Linie der Subjektiven Fotografie und der Bauhaus-Gestaltungslehre – institutionell markiert durch »Farbe im Photo« (Josef-Haubrich-Kunsthalle Köln, 1981) und durch die direkte Lehrer-Lineage zu Vincent Weber, belegt 1983 im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden (»4 Schüler von Vincent Weber«). Eine Besonderheit: Mante arbeitet doppelt – als Werkkünstler und als Theoretiker. Seine neunzehn Lehrbücher, beginnend mit »Bildaufbau« (1969), gelten als Standardwerke der deutschsprachigen fotografischen Ausbildung; Theorie und Werk entstehen in einer Hand.

»Harald Mante gehört zu den selten begabten Lichtbildnern, die über eine überraschende Sicht- und Ansichtsfähigkeit, sozusagen intuitiv verfügen.«

– Vincent Weber, 1983

Photography Unplugged

Das fotografische Kernwerk: Farbkompositionen aus sechs Jahrzehnten, getragen von einer durchgehenden Haltung – keine Nachbearbeitung, keine Effekte. In den frühen Jahren analog mit Minolta und Kodachrome, heute digital. Die Werkgruppe gliedert sich in erkennbare Serien – die Irlandaufnahmen von 1964, mit denen Mante seinen Weg zur Farbfotografie als künstlerische Position findet; die Fahrbahnmarkierungen als geometrische Abstraktion auf der Straße; Farbflächen und Fassaden als Bauhaus-Formsprache, in der gebauten Wirklichkeit gefunden; die Selbstschatten, in denen der eigene Umriss zum Bildelement wird.

Der Bildband »Photography Unplugged« (2009, nominiert für den Deutschen Fotobuchpreis 2010) versammelt eine Auswahl aus dieser bis heute fortlaufenden Werkgruppe.

Photography Unplugged – Harald Mante

Museal u. a.: Hamburger Kunsthalle (1976, »Serien und Sequenzen«) · Josef-Haubrich-Kunsthalle Köln (1981, »Farbe im Photo«) · Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund (1987, »Farbfotografien«).

Künstlerische Partnerin

Eva Witter – Bildhauerin

Geboren 1954 in Unna, Studium der Innenarchitektur. Seit 1982 freischaffende Bildhauerin – Sandstein, Marmor, Holz, kinetische Metallplastik; Weiterbildung u. a. an der Europäischen Kunstakademie Trier. Berufenes Mitglied im BBK Ruhrgebiet (2009) und in der GEDOK Wuppertal (2015). Atelier im City-Center Schwerte. Website: www.eva-witter.de

Seit 1988 – dem Jahr der Heirat mit Harald Mante – auch intensive künstlerische Auseinandersetzung mit der Fotografie. Mit ihm zwei fortlaufende Werkgruppen: »Bildräume« (seit 1988) und »Weitsichten« (seit 1992).

Bildräume · Harald Mante & Eva Witter

Seit 1988 realisieren Harald Mante und Eva Witter das Langzeitprojekt »Bildräume – Diaphane Metamorphosen von Schlössern in Europa«. Beide belichten ihre Filme zunächst mit Innenaufnahmen und tauschen anschließend die Kameras. Nach dem Zurückspulen werden die Filme erneut eingelegt. Danach umrunden sie das Schloss in entgegengesetzten Richtungen und belichten den Film des jeweils anderen ein zweites Mal mit Außenaufnahmen.

Der Kameratausch ist zugleich Disziplinentausch: Fotograf und Bildhauerin schreiben ihre Blicke ineinander. Jede Belichtung ist unumkehrbar; das Ergebnis steht im Moment des Auslösens fest. Der Zufall wird zum dritten Partner.

Harald Mante / Eva Witter, Bildräume – Schloss Annevoie

Schloss Annevoie · Belgien

Museumstour 1992–2008: Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund · Museum für Photographie Braunschweig · Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg · Stadtmuseum Münster · Landesmuseum Schloss Oldenburg · Museum im Schloss Bad Pyrmont.

Edition & Katalog: Ausstellungskatalog »Bildräume« (Museumsverein Schloss Arolsen, 1994, Auflage 750). Zur Dortmunder Auftakt-Station eine Schachtel mit 10 Postkarten, gedruckt bei Walther König, Köln.

Weitsichten · Harald Mante & Eva Witter

Seit 1992. Im Diptychon verschmelzen zwei anonyme Halbfiguren zu einer einzigen Gestalt – die Autor:innen sind zugleich das Motiv. Fotografie und Bildhauerei treffen in einem Bildereignis aufeinander.

Simultanfotografie – ein Arbeitsbegriff Mantes und Witters: Zwei Künstler:innen lösen gleichzeitig aus, jede/jeder hält eine Bildhälfte fest; das enge Nebeneinander erzeugt den Eindruck eines Panoramas. Nicht der Blick in die Ferne ist das Thema, sondern seine Inversion: Die Reisenden werden selbst zur Landschaft, die sie zu betrachten scheinen.

Weitsichten, Zingst Hafen (links Harald Mante)
Weitsichten, Zingst Hafen (rechts Eva Witter)

»Weitsichten« – Simultanfotografie, Diptychon

Galerie Weitsichten – Demnächst

Erstausstellung: »Weitsichten«, Sehorte, Multimediahalle, Zingst (2004).

Atempause · Harald Mante & Eva Witter

Gemeinsame Werkgruppe von Harald Mante und Eva Witter, 2012 entstanden für das 35. Jubiläum der Europäischen Kunstakademie Trier – einer Lehrstätte, an der Mante über Jahre regelmäßig Fotografie-Workshops gab. Anstelle des quirligen Kunstbetriebs fotografieren beide die Stille der Semesterpausen – Ateliers im Zwischenzustand, sortierte Staffeleien, hochgestapeltes Mobiliar, ein vergessener Siebdruck. Der leere Arbeitsraum als Spur seiner Nutzung: komponierte Wirklichkeit im Inneren eines Hauses, das beide aus eigener Anschauung kennen.

»Räume, in denen man gewohnt ist, viele Menschen zu treffen, plötzlich leer zu erleben, hat einen besonderen Reiz. Man kennt durch persönliches Erleben oder über Bilder die beeindruckenden Hallen und Räume alter Industrieanlagen, Automobilfabriken, Kasernen oder auch von aufgegebenen Theatern und Kinos. Diese ›Lost Places‹ bieten einen optischen Spielraum von der großen Totalen bis hin zum kleinen Detail, aber auch eine emotionale Bandbreite der Dramatik von Vergangenheit und Gegenwart. Dabei verweisen vor allem die kleinen Details auf frühere Zeiten, in denen Menschen diese Räume mit Leben gefüllt haben.«

– Harald Mante
(aus »Das Motiv« 2020)
Kunstakademie Trier, Atelier F, »Farbtemperatur«
Galerie Atempause – Demnächst

Institutioneller Rahmen: Europäische Kunstakademie Trier – langjähriger Workshop-Ort Mantes, zugleich Witters Weiterbildungsstätte (u. a. kinetische Metallplastik).

Kontext

Stilistische Parallelen

Mante, Luigi Ghirri und Franco Fontana – alle drei teilen ein Interesse an Abstraktion: Mante und Ghirri an farbiger Formanalyse in der Fotografie, Fontana an räumlicher Disruption. Als Europäer (Deutschland, Italien) repräsentieren sie eine Verwandtschaft jenseits des transatlantischen Color-Photography-Booms, verwurzelt in Bauhaus und Nachkriegsavantgarde – ohne dokumentierte direkte Einflüsse.

Für Kurator:innen & Institutionen

Ausstellungen, Leihgaben, Katalogprojekte

Für Ausstellungs- und Leihanfragen und Katalogbeiträge stehen Harald Mante und Eva Witter zur Verfügung. Werkgruppen-Übersichten, Bildmaterial und Ausstellungshistorie auf Anfrage.