
Sammlungen
Kuriose Kameras
43 Sammelthemen – von Spielzeugkameras bis Teebeutel-Anhänger. Gesammelt auf Reisen und Flohmärkten in aller Welt.
Sammlung kurioser Kameras
Wer Mante besucht, betritt ein Haus, das Freunde längst nur noch das »Mante-Museum« nennen. 43 Sammelthemen hat er gezählt – 21 davon drehen sich um die Fotografie. In den Regalen und Vitrinen stehen rund 2.500 Objekte, die eine Parallelgeschichte der Fotografie erzählen: Spielzeuge, Pseudogeräte, Figuren und Souvenirs – gesammelt auf Reisen und Flohmärkten in aller Welt.
Die Objekte stehen nach Motivfamilien geordnet, nicht nach Wertigkeit. Eine Spielzeugkamera neben einem Feuerzeug in Kameraform, daneben eine Figur mit Kamera um den Hals. Was auf den ersten Blick wie ein Kuriositätenkabinett wirkt, folgt dem gleichen kompositorischen Denken, das Mante in seinen Lehrbüchern beschreibt: Farbe, Form, Serie, Kontrast.
Rot, Gelb, Blau
Was sofort auffällt: die Farben. Leuchtendes Rot, strahlendes Gelb, sattes Blau – viele der Kamera-Objekte sind zugleich Teil eines weiteren Sammelthemas, das Mante schlicht »RGB« nennt. Die additiven Grundfarben, mit denen er als Bauhaus-geschulter Gestalter sein Leben lang arbeitet, finden sich in quietschbuntem Plastik wieder. Was in der Farbtheorie »reine Farbe« heißt, materialisiert sich hier als Spielzeugkamera in Signalrot oder Feuerzeug in Ultramarinblau.
Dazu kommen Oberflächen, die kein Industriedesigner je geplant hätte: Tiger-Kunstfell, Glitzerfolie, marmoriertes Bakelit. Die Objekte sind in ihrer materiellen Absurdität oft näher an der Pop Art als an der Fototechnik – und genau das macht sie für Mante interessant.
Auszüge aus der Sammlung

Spielzeug-Kameras
Das Spektrum reicht von einfachsten Plastikkameras über Blechspielzeug bis zu aufwendig gestalteten Miniaturen. Manche dieser Apparate sind tatsächlich funktionsfähig und erzeugen Bilder – oft in einfachen Kleinbild- oder Instamaticformaten. Andere dienen ausschließlich dem Rollenspiel: Kinder üben das Verhalten »Fotografieren« ein, noch bevor sie ein Verständnis von Belichtung oder Schärfe haben.
Aus kulturhistorischer Perspektive markieren diese Objekte die Übersetzung eines einst professionellen, technisch anspruchsvollen Mediums in die Sphäre des Spiels. Die Kamera wird zur Requisite – und die Handlung des Fotografierens wichtiger als das erzeugte Bild.
Pseudo-Kameras
Spardosen, Feuerzeuge, Radios, dekorative Behälter – alles in Kameraform. In diesen Objekten verdichtet sich die Kamera zur reinen Oberfläche, zur ikonischen Form, die sich von der Bildproduktion ablöst. Werbeindustrie und Produktdesign nutzen die Kamera-Silhouette, um Modernität und Weltläufigkeit anzudeuten – selbst wenn der Gegenstand nichts mit Fotografie zu tun hat.
In Mantes Ensemble lassen sich diese »Kamerazitate« über Jahrzehnte verfolgen: von bakelitartigen Nachkriegsobjekten bis zu bunt bedruckten Kunststoffartikeln der späten Konsumgesellschaft. Die Kamera als Lifestyle-Symbol – verfügbar in jeder Preisklasse, jeder Farbe, jedem Material.


Figuren mit Kameras
Skulpturen, Figuren und Miniaturen, die Fotografen bei der Arbeit zeigen – vom karikaturesk überzeichneten Pressefotografen bis zur eleganten Touristin mit Kamera um den Hals. Der neugierige Reporter, der Paparazzo, der technisch versierte Amateur, das Paar, das sich gegenseitig vor Sehenswürdigkeiten fotografiert.
In der Masse der Darstellungen wiederholen sich ikonografische Konstanten über Jahrzehnte: die Kamera vor dem Gesicht, der Schritt nach vorn, der suchende Blick. »Der Fotograf« selbst ist längst zu einer kulturellen Figur geworden, die unabhängig vom konkreten Medium zirkuliert – und die Mante mit einem augenzwinkernden Blick auf das eigene Tun versammelt.
Foto-Souvenirs
Verdruckte Postkarten, Schlüsselanhänger, Miniaturkameras mit Stadtansichten – Mitbringsel von Mantes vielen Reisen, gefunden auf Flohmärkten von Tokio bis Lissabon. In vielen dieser Fundstücke fungiert die Kamera als Metapher für das Sehen, während das Souvenir zugleich das Erinnerungsbild materialisiert, das sonst im Fotoalbum gespeichert wäre.
Touristische Bildproduktionen – Postkarten, Reisebroschüren, Instagram-Posts – sind mit dreidimensionalen Andenken verwoben, die ihrerseits fotografische Ansichten zitieren. Ein dichtes Archiv jener Dinge, die zwischen Bild und Objekt, Repräsentation und Erinnerung oszillieren.


Kitsch als Methode
Mante umgeht die Grenze zum Kitsch nicht – er durchbricht sie. Gerade weil viele der Objekte an dieser Grenze operieren, markieren sie Zonen, in denen ästhetische Normen, Geschmacksurteile und Wertzuschreibungen verhandelt werden. Was im Kanon der Fotogeschichte traditionell unsichtbar bleibt, wird hier zum Material: ein Feuerzeug in Form einer Leica, eine Spardose als Hasselblad – und, allen Vermutungen zum Trotz, eine mit Tigerfell überzogene, voll funktionsfähige Kamera, flankiert von zwei weiteren echten Apparaten, die ihre Mechanik hinter ebenso kuriosen Hüllen verbergen. Keine Attrappen, sondern Kameras mit Kostüm.
Die kuriose Kamerasammlung erzählt keine Heldengeschichte der technischen Innovation. Sie erzählt davon, wie ein Gerät zum Symbol wird – und was passiert, wenn dieses Symbol in Kinderzimmer, Souvenirläden und Schreibtischschubladen einwandert. Die Objekte funktionieren dabei wie dreidimensionale Vokabeln eines visuellen Alphabets, in dem sich Mantes Bauhaus-geschultes Denken ebenso spiegelt wie seine Lust an der Beobachtung der Alltagskultur.
Weitere Sammelthemen
43 Sammelthemen umfasst Harald Mantes Kollektion – weit über das Medium Fotografie hinaus.
Sammlung
Teebeutelanhänger
Jene winzigen Pappkärtchen am Ende des Fadens – gesammelt über Jahrzehnte, gestaltet mit dem Blick eines Gestalters. Miniaturisierte Bühnen für Grafikdesign und Typografie.
Demnächst
Pop-up-Bücher
Dreidimensionale Papierkunst – die Entfaltung der Seiten erinnert an räumliche Wahrnehmung in der Fotografie und an serielle Bildfolgen, wie Mante sie in seinen Lehrbüchern untersucht.
43 Themen
Und vieles mehr …
Von Objekten in RGB-Farben über winzige Souvenir-Fernseher mit eingelegten Reisedias bis zu fotografierenden Figuren – die Sammlung wird sukzessive dokumentiert.