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Harald Mante

Überblick

Harald Mante (* 1936 in Berlin) ist ein deutscher Fotograf und Künstler. Sein über sechs Jahrzehnte gewachsenes Werk versteht die Farbfotografie als eigenständige künstlerische Sprache: aufgebaut auf den Gestaltungs- und Farbtheorien des Bauhauses, denen er während seines Malereistudiums begegnete, geprägt von einer strengen Ordnung aus Farbe, Fläche und Form und vom seriellen Arbeiten. Bekannt wurde Mante zugleich durch seine Lehrbücher zu Bildaufbau und Farbe, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden – darunter Englisch, Französisch, Niederländisch, Spanisch, Dänisch, Persisch und Chinesisch. Er lebt und arbeitet in Schwerte.

Kindheit und Ausbildung

Harald Mante wird 1936 in Berlin geboren und wächst trotz der Kriegsjahre behütet auf. 1949 zieht er mit seiner Mutter nach Wiesbaden, wo er nach der Schule eine Lehre als Schildermaler absolviert – sein Gesellenstück wird ausgezeichnet. Von 1957 bis 1961 studiert er mit einem Stipendium Malerei an der Werkkunstschule Wiesbaden, bei Vincent Weber, dem Direktor der Schule und einem Bauhausschüler der ersten Stunde. Über ihn kommt Mante früh mit dem Denken von Johannes Itten, Paul Klee und Wassily Kandinsky in Berührung; die Bauhaus-Lehre von Farbe und Form wird zum Fundament seines fotografischen Werks.

Weg zur Fotografie

Zur Fotografie findet Mante über einen Arbeitskollegen während eines Ferienjobs. 1960 kauft er – finanziert durch morgendliches Zeitungsaustragen – seine erste Kamera und eignet sich das Medium autodidaktisch an. Bereits 1961 unterrichtet er an den Volkshochschulen in Wiesbaden und Mainz »Bildgestaltung und Farbgebung in der Fotografie«, 1962 tritt er dem Fotoclub Biebrich bei und gewinnt erste Preise. Den Wendepunkt bringt 1964 eine dreimonatige Reise mit einem Citroën 2CV nach Irland: Aus dem Maler wird ein Fotograf. Ab 1965 arbeitet er als freischaffender Fotodesigner.

Freie Arbeit und Reisereportagen

In den folgenden Jahren reist Mante wiederholt nach Irland, Portugal, Spanien, Ostafrika, England und Frankreich und veröffentlicht Farb-Reisereportagen in führenden Illustrierten – vor allem im Stern und in Twen, international auch in der italienischen Epoca. Zu einer Zeit, in der die Farbfotografie technisch aufwendig und im Kunstbetrieb kaum anerkannt ist, setzt er farbige Bildstrecken zu Reise, Architektur und Stadtlandschaft durch. Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen begleiten diese freie Arbeit von Beginn an.

Künstlerisches Werk

Im Zentrum von Mantes Schaffen steht die freie künstlerische Arbeit. Sie beginnt in den 1960er-Jahren und folgt einem seriellen Prinzip: Über Jahre kehrt er zu seinen Themen zurück – Farbflächen, Fassaden, geometrische Fundstücke des Alltags – und variiert sie in Reihen und Sequenzen. Einzelne Werkphasen gelten bestimmten Orten; so kehrt er 1994 mit »Irland nach 30 Jahren« an den Ausgangspunkt seiner Laufbahn zurück. Sein analoges Werk entsteht überwiegend mit einer Minolta, einem 20 mm-Weitwinkel und Kodachrome-Kleinbildfilm. Das Bild entsteht für ihn im Moment des Auslösens, ohne Nachbearbeitung – ein Prinzip, das er bis heute beibehält, auch nach dem Umstieg auf die digitale Fotografie.

Eine zentrale Rolle spielt die Zusammenarbeit mit der Künstlerin Eva Witter. 1988 beginnen beide das Langzeitprojekt »Bildräume – Diaphane Metamorphosen von Schlössern in Europa«, in dem durch den Tausch der Kameras partnerschaftliche Doppelbelichtungen von surrealer Anmutung entstehen. Es folgen weitere gemeinsame Werkgruppen, darunter »Weitsichten«. 1989 dokumentiert Kodak in den USA Mantes künstlerische und lehrende Arbeit in der Filmreihe »Technics of the Masters«.

Lehre

Parallel zu seinem freien Werk lehrt Mante über drei Jahrzehnte. Auf einen Lehrauftrag an der Werkkunstschule Wiesbaden (1967–1971) folgen Stationen an der Gesamthochschule Wuppertal und ab 1974 an der Fachhochschule Dortmund, wo er 1976 zum Professor für freie und experimentelle Farbfotografie ernannt wird. 1973 trägt ihm eine vierwöchige Vortragsreise durch Großbritannien den Spitznamen »ColorHarry« ein; 1978 lehrt er als Gastprofessor an der University of Saskatchewan in Kanada. Hinzu kommen Workshops und Seminare an internationalen Institutionen sowie Schulungen für Unternehmen und Verlage. Von 1994 bis zu seiner Emeritierung 2001 ist Mante zudem in zwei Amtszeiten Dekan des Fachbereichs Design. Auch danach bleibt er der Lehre verbunden – unter anderem an der ParkAkademie Dortmund, an der Europäischen Kunstakademie Trier, in den Wochenseminaren von artistravel und bei den Fotoseminaren des Festivals »Horizonte« im Ostseebad Zingst.

Publikationen

Neben seinem künstlerischen Werk prägt Mante das fotografische Sachbuch im deutschsprachigen Raum mit. Sein erstes Lehrbuch »Bildaufbau – Gestaltung in der Fotografie« (1969) erscheint in über 34 Ausgaben und fünf Sprachen, ein Jahr später folgt »Farb-Design – Eine Farbenlehre« (1970). Zu den bekanntesten Titeln zählen »Das Foto – Bildaufbau und Farbdesign« (englisch »The Photograph«) und »Die Fotoserie« (2014), die als Standardwerke der fotografischen Gestaltungslehre gelten; der Bildband »Photography Unplugged« (2009) wurde 2010 für den Deutschen Fotobuchpreis nominiert. Von 1980 bis 1985 entstehen zudem Länderbildbände über die Toskana und Umbrien, Österreich, Kanada und Irland – bereits 1979 war beim Verlag Photographie die »Kanada Photocollection« als Bildsammlung in Drucken erschienen. Eine vollständige Werkübersicht bietet die Seite Publikationen.

Sammlung

Über seine eigene Fotografie hinaus hat Mante eine Sammlung von mehr als 15.000 historischen Fotografien zusammengetragen, darunter rund 2.500 Kabinettkarten, Atelierporträts und Dokumente aus den ersten hundert Jahren der Fotografiegeschichte. Teile davon wurden gemeinsam mit dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund in der Ausstellung »Out of the Box« öffentlich gezeigt.

Mitgliedschaften

  • Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh), seit 1971
  • Bund freischaffender Fotodesigner (BFF), seit 1973
  • Deutsche Fotografische Akademie (DFA), 1974–2000

Lebenslinie

1936

Geboren in Berlin

1949

Umzug mit seiner Mutter nach Wiesbaden

1950er

Lehre als Schildermaler, Auszeichnung für das Gesellenstück

1957

Stipendium an der Werkkunstschule Wiesbaden, Abteilung Malerei bei Prof. Vincent Weber (Bauhausschüler)

1960

Erste eigene Kamera – Annäherung an die Fotografie im Selbststudium

1961

Erste VHS-Kurse zu »Bildgestaltung und Farbgebung in der Fotografie« in Wiesbaden und Mainz

1962

Eintritt in den Fotoclub Biebrich. Erste Preise und Medaillen.

1964

Dreimonatige Fotoreise mit einem Citroën 2CV nach Irland – Beginn der professionellen Fotografie

1965

Beginn der Tätigkeit als freischaffender Fotodesigner

1960er

Farb-Reisereportagen für Stern, Twen und andere Magazine. Reisen nach Irland, Portugal, Spanien, Ostafrika, England und Frankreich.

1967

Lehrauftrag für Fotografie an der Werkkunstschule Wiesbaden (bis 1971)

1969

»Bildaufbau – Gestaltung in der Fotografie« erscheint (über 34 Ausgaben, 5 Sprachen)

1970

»Farb-Design – Eine Farbenlehre« erscheint, wird in 4 Sprachen lizenziert

1971

Wechsel an die Gesamthochschule Wuppertal, Bereich Grafik-Design

1973

Vortragsreise durch Großbritannien auf Einladung von sechs Fotohochschulen – Spitzname »ColorHarry« entsteht

1974

Versetzung an die Fachhochschule Dortmund, Lehrgebiet freie und experimentelle Farbfotografie

1976

Ernennung zum Professor

1978

Drei Monate Gastprofessur an der University of Saskatchewan, Kanada

1980–85

Länderbildbände: Toskana und Umbrien, Österreich, Kanada, Irland

1988

Beginn des Langzeitprojekts »Bildräume« mit Eva Witter (Simultanfotografie in europäischen Schlössern)

1989

Kodak USA: Videodokumentation »Technics of the Masters« über Mantes Lehre und freie Arbeit

1994

Erste Amtszeit als Dekan des Fachbereichs Design, FH Dortmund

1998

Zweite Amtszeit als Dekan, FH Dortmund (bis 2001)

2001

Emeritierung nach 30 Jahren Lehrtätigkeit

2002

Beginn der Lehrtätigkeit an der ParkAkademie Dortmund (ehem. Altenakademie)

2000er

Gastdozent an der Europäischen Kunstakademie Trier. Wochenseminare bei artistravel. Fotofestival »Horizonte« in Zingst.

2007

»Das Foto – Bildaufbau und Farbdesign« erscheint bei dpunkt (heute 4. Auflage)

2008

»Bildräume« und »Weitsichten« im Museum im Schloss Bad Pyrmont, mit Eva Witter

2009

»Photography Unplugged« erscheint (2010 für den Deutschen Fotobuchpreis nominiert)

2014

»Die Fotoserie – Besser fotografieren durch serielles Arbeiten« erscheint

2026

90. Geburtstag – weiterhin aktiv als Fotograf, Autor und Dozent