
Sammlungen
Kabinettkarten
Bis zu 15.000 Karten im Visit- und Kabinettformat – das erste fotografische Massenmedium des 19. Jahrhunderts.
Kabinettkarten & Cartes de Visite
Ab 1850 entwickelt sich in Europa eine neue Mode: Auf Karton kaschierte Portraitfotos – ähnlich wie Visitenkarten – werden zwischen Freunden und Bekannten ausgetauscht und in speziellen Alben gesammelt. Neben individuellen Kundenportraits fertigen Fotografen Motive Prominenter in Serie und verkaufen sie. Mit der Einführung neuer Techniken in den 1880er-Jahren arbeiten die Fotoateliers deutlich schneller und preiswerter. Ein Besuch beim Fotografen wird für jedermann erschwinglich.
Die vielen tausend Portraits zeigen Menschen quer durch alle Gesellschaftsschichten – und bilden in der Summe eine Art fotografischen Mikrozensus einer Epoche im Kleinformat. Der Flut des daraufhin entstandenen Bildermaterials haftet lange zu Unrecht der Makel eines wertlosen Massenphänomens an. In Zeiten digitaler Beliebigkeit erkennt man, welchen Schatz diese Zeugnisse aus den Anfängen der Fotografie darstellen.
Die Sammlung
Harald Mante trägt die Sammlung von 1970 bis 1985 zusammen. Sie umfasst bis zu 15.000 Karten im Visit- und Kabinettformat mit Schwerpunkt auf Deutschland, Österreich, Frankreich und Großbritannien. Ein besonderes Augenmerk legt Mante auf Karten mit dekorativen Rückseiten – die prächtig ausgeschmückten Selbstdarstellungen der Ateliers sind häufig zugleich ein Indiz für die Datierung.
Zur Sammlung gehören auch kunstvolle Fotoalben mit sogenannten Kulissenfenstern, in die die Cartes de Visite geschoben werden. So können die Karten herausgenommen und ausgetauscht werden – ein analoges Social-Media-System des 19. Jahrhunderts.
Vom Depot ins Museum
Ab 1984 kauft das Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund (MKK) die Sammlung in mehreren Etappen an. Jahrzehntelang schlummern die fotografischen Schätze in den Stahlschränken des Museumsdepots – bis sie 2023 mit der Online-Ausstellung »Out of the Box« endlich aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden.
Mit bis zu 15.000 Karten und vielen weiteren Objekten zur Geschichte der Fotografie zählt die Sammlung Mante zu den umfangreichsten ihrer Art in Deutschland. Sie steht als reichhaltige Quelle für Foto-, Kunst-, Kultur- und Wirtschaftshistoriker, Soziologen und Ethnologen in aller Welt zur Verfügung – und stiftet zusätzlich all denjenigen Vergnügen, die es lieben, in wunderschönen und manchmal auch kuriosen Bildobjekten zu schwelgen.

»Out of the Box« – Online-Ausstellung
Seit 2023 ist ein Teil der Sammlung in der Online-Ausstellung »Out of the Box – Atelierfotografien aus der Sammlung Harald Mante« des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund (MKK) öffentlich zugänglich. Die Ausstellung macht die Kabinettkarten als kulturhistorische Dokumente erfahrbar und zeigt, wie sich Sehgewohnheiten, Inszenierungsformen und technische Möglichkeiten über die Jahrzehnte verändert haben.
Online-Ausstellung besuchen